Paul und Gabriel von Folkshilfe
Foto: Kurt Hoerbst für LIWEST
 Blog » Portraits » Folkshilfe im Interview
Erstellt am 13.11.2019

Folkshilfe: Echte Musik zum Anfassen

Wie sie neue Medien und Technik für ihren Erfolg nutzen, erzählen die drei Musiker von "folkshilfe" exklusiv in ihrem Ottensheimer Probenkeller.

Hat die musikalische Kunst im Zeitalter von Spotify, YouTube und Hightech-Studios noch etwas mit Können zu tun? „Ja!“ sagt das Trio „folkshilfe“ und verbindet oberösterreichischen Dialekt mit „Quetschn-Synthesizer“ und Einflüssen aus aller Welt. An seine ersten Tonträger erinnert sich Paul Slaviczek ganz genau: „Von meinem Vater habe ich eine Kassette bekommen, auf der war nur ein Song: Hubert von Goisern mit dem „Hiatamadl“ – aber wieder und wieder aufgenommen, auf beiden Seiten, das ist immer durchgelaufen.“ Dazu kamen dann zwei CDs: „Austria 3“, ebenfalls vom Vater geschenkt, und Led Zeppelin mit Gitarrist Jimmy Page. „Damit war meine Begeisterung für die Gitarre geweckt – und für die Dialektmusik.“ Paul singt und spielt seit drei Jahren bei der Band folkshilfe. Davor hat er ein Gitarrenstudium an der Bruckner-Universität absolviert, Musik unterrichtet und bei Bands unterschiedlicher Stilrichtungen gespielt.

Zeit für Musik nehmen

„In meiner Kindheit ist immer viel Musik gelaufen, von Beatles bis AC/DC. Viele Instrumente sind herumgestanden,“ erzählt Gabriel Fröhlich, der in Wien Schlagzeug studiert und die Gruppe mitgegründet hat. „Meine ersten eigenen CDs habe ich via Discman gehört, mit Antischock! Heute habe ich einen Plattenspieler daheim. Das bedeutet für mich: Ich nehme mir Zeit für die Musik. Ich horche nicht nebenbei, sondern bin Fan.“ Das neue Album von folkshilfe mit dem Titel „Sing“ erscheint folgerichtig nicht nur auf CD, sondern auch auf Schallplatte. „Die Nachfrage nach Vinyl ist gestiegen. Daher präsentieren wir auch unsere vorigen beiden Alben jetzt auf Platte. Außerdem sind die Cover soooo groß!“

Streaming macht bekannt

Die Hörgewohnheiten der Bevölkerungsmehrheit haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Spotify und andere Musik-Streaming-Dienste erreichen inzwischen mehr Menschen als CD und andere Tonträger. Alleine die Österreicher haben im Vorjahr über 50 Millionen Euro für Musikstreaming ausgegeben. Dem muss sich auch ein oberösterreichisches Trio stellen, das laut Eigendefinition „Quetschn-Pop mit Synthesizer und Dialekt-Texten“ macht. „Streaming ist für unsere Musik ganz schwer: Denn bei unseren Songs ist man entweder dabei und hört zu, oder man lässt es gut sein,“ sagt Paul Slaviczek. „Streaming-Musik wird vor allem dafür genutzt, um im Hintergrund gehört zu werden.“ Aus Sicht von Musikschaffenden wird Streaming daher häufig mit Radio verglichen: Nicht nur weil die Songs „nebenbei“ laufen, sondern weil dadurch natürlich die Bekanntheit von Musik und Band steigt.

Qualität am Instrument

Selbstverständlich setzt auch folkshilfe auf Social Media. „Für uns gilt: Früher wurde fleißig plakatiert, heute muss man auf diesen Plattformen Werbung machen“, erklärt Paul Slavizek. „Heute geht es viel um Klicks, Herzerl, Abonnenten und Vergleiche. Was wir uns wünschen: Das Thema Livemusik soll weiter ganz oben stehen.“ Auf YouTube gibt es Live-Mitschnitte von folkshilfe beispielsweise in Berlin, wo die Musiker ihre Qualitäten auch als Straßenmusiker vor wildfremden Passanten beweisen. „Vor fünf Jahren hatte die Musik einen digitalen Peak, alles war nur laut und voll in die Fresse“, sagt Paul. „Jetzt wird wieder mehr auf gutes musikalisches Handwerk und auf Musiker geachtet, die auch wirklich ihr Instrument spielen können. Die Zunft des Musikers wird nie aussterben, sondern bekommt gerade wieder einen Schub.“ Dank Weltstars wie Ed Sheeran habe etwa die Gitarre neue Bedeutung in der Popmusik erhalten. Das kommt auch den bestens ausgebildeten Musikern von folkshilfe entgegen.

Ziehharmonika mit Synthesizer

Dabei spielt innovative Technik durchaus eine wichtige Rolle für ihren unverkennbaren Sound. Am spannendsten ist der „Quetschn-Synthi“: Die Bassknöpfe der Ziehharmonika sind in Florian Ritts Instrument mit einem speziellen Synthesizer verbunden und sorgen für den fetten Bass. „Wir probieren alles aus, was technisch interessant sein könnte – als erstes für den Sound der Quetschn. Das kann auch ein Quietschen sein oder ein Rauschen.“ Damit lässt die Ziehharmonika jedwedes Bierzelt-Image hinter sich und wird auch Rockfestival-tauglich. „Wir waren die ersten mit einer Quetschn beim Nova Rock“, strahlen die Musiker. Einzigartig wird der Quetschn-Sound auch deshalb, weil Florian Ritt sich das Instrument selbst beigebracht und seinen eigenen Stil entwickelt hat. Allerdings hat er sowohl Gitarre als auch Bass studiert. „An der linken Hand denkt Flo wie ein Bassist, an der rechten Hand wie ein Gitarrist“, erklären seine Kollegen.

Gefühl vom Miteinander

Das oberösterreichische Dreigestirn lässt sich nicht gerne in eine Schublade einordnen. Die Musiker hören selbst ganz unterschiedliche Musik, von Singer/Songwriter oder Blues bis Rock oder Hip Hop. „Auch die Volksmusik hat ihre Faszination, speziell der dreistimmige Gesang. Aber wir versuchen nicht, aus der Volksmusik auszubrechen, sondern in die Volksmusik einzubrechen“, so die Band. „Es geht nur um Gefühle, um Emotionen, wenn man miteinander musiziert. Da verbinden wir auch einmal Jodeln mit einem Afrobeat.“

Musikalische Momente festhalten

Freiheit von Schubladen und Einflüsse aus allen Richtungen prägen auch die zwölf Titel auf dem neuen Album „Sing“. „Wir schreiben sehr spielerisch und haben anderthalb Jahre daran gearbeitet. So fühlt es sich an – wie diese Reise, die wir in der Zeit durchgemacht haben.“ Viel davon ist während eines vierwöchigen Thailand-Urlaubs entstanden, den Band, Produzent und Technik gemeinsam verbracht haben. Rund um die Uhr miteinander am selben Ort hat sich gelohnt. Inspirationen kamen in der Küche oder auch mal um drei Uhr nachts und wurden sofort gemeinsam weiterentwickelt. „Da passt die Energie und wird in der Runde immer größer“, schwärmt Gabriel. „Viele solche Momente haben wir direkt festgehalten und auf das neue Album gepackt. Wir haben dafür aber auch gemeinsame Arbeitsprozesse entwickelt. Abkapseln war wichtig, auch das Handy weglegen und genügend Zeit.“

Kleine Locations, große Energie

Am 29. November wird das neue Album offiziell veröffentlicht. Schon zwei Monate zuvor startet das Trio wieder eine „Tour der Regionen“. Die Musiker freuen sich auf Auftritte in kleinem Rahmen, ganz anders als etwa mit 60.000 Besuchern auf der Wiener Donauinsel. „Wir meiden die großen Hauptstadt-Locations und schließen uns mit kleinen Kulturschaffenden und Wirten in den Ortschaften zusammen.“ So kommt die folkshilfe in kleinere Hallen, Wirtshaussäle oder Brauereien von Südtirol bis Norddeutschland und erstmals auch in die Schweiz. Die Vorfreude ist groß: „Die Energie einer kleinen Gruppe vor der Bühne ist oft ein Wahnsinn!“

Immer in Bewegung bleiben

Wenn die Band auf Tour ist, läuft auch im Bus meistens Musik. „Außer nach einem Gig am Heimweg ins Hotel. Da ist es gut, wenn es ruhig ist.“ Zum Zeitvertreib unterwegs setzen die Burschen auf Sport und Spiel: vom Videospiel „Mario Kart“ über das Kartenspiel „Wizard“ bis hin zu Fußball, Frisbee und sogar Springschnüren. „Im Laufe der Zeit haben wir bemerkt, dass Bewegung auch für uns immer wichtiger wird“, lachen die Musiker. Für ihre Zukunft wünschen sie sich, „dass wir als Band beisammen sind, gesund sind und miteinander Musik machen.“ Und der Frage nachspüren: Was ist noch alles möglich mit Quetschn-Synthesizer und dreistimmigem Gesang?

 

 

Ob Musik, Videos oder Serien - Streamen macht mit der Bandbreitengarantie von LIWEST einfach mehr Spaß.

Jetzt hier informieren!

 


Das könnte Sie auch interessieren:

Portraits

Erstellt am 03.06.2019

Rupert Ochsner: Game-Entwickler mit Leidenschaft

Er zog als junger Linzer in die weite Spiele-Welt und begeistert nun mit seinem Retro-Game "Fox n Forests" Medien und Fans.

Erstellt am 17.12.2018

Künstliche Intelligenz: Fiktion und Realität

Michael Affenzeller von der FH OÖ Campus Hagenberg erklärt, was KI kann und was nicht und stellt die Methode der Heuristik vor.

Erstellt am 18.11.2018

LIWEST Black Wings: Die Neuen

Zu Saisonbeginn 2018/19 wurden elf neue Spieler präsentiert, im Oktober gab es einen weiteren Neuzugang. Alle neuen Spieler auf einen Blick.