Rupert Ochsner
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03.06.2019

Rupert Ochsner: Game-Entwickler mit Leidenschaft

Er zog als junger Linzer in die weite Spiele-Welt und begeistert nun mit seinem Retro-Game "Fox n Forests" Medien und Fans.

Gaming-Branche wächst rasant

Weltweit machte die Gaming-Industrie im Vorjahr einen Umsatz von über 100 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Musikbranche erzielte einen Jahresumsatz von 20 Milliarden und die Filmindustrie einen Jahresumsatz von 30 Milliarden Dollar. „Jede Woche werden neue Spiele veröffentlicht, das Geschäft ist teilweise beinhart“, weiß Rupert Ochsner. „Spiele definieren sich stark über die Grafik, es geht um Stil und Individualität.“ Doch maßgeblich für den Erfolg ist professionelles Marketing. „Erste Etappe ist die Ankündigung, ein gut gemachter Trailer. Wenn das Spiel herauskommt, musst du die Welle weiterreiten, vor allem in den Sozialen Medien, in den Communities, bei Influencern. Schließlich brauchst du einen langen Atem. Big Budget Games machen ihren Umsatz in den ersten Wochen, doch andere Spiele werden erst durch Mundpropaganda erfolgreich und laufen nach sechs bis zwölf Monaten richtig gut.“

Wer spielt eigentlich?

Laut einer Studie vom April 2019 wird der Spieleranteil in der Bevölkerung immer höher. Das Durchschnittsalter auch, es liegt in Deutschland derzeit bei 36 Jahren. Die Hälfte der Spielenden ist weiblich, Tendenz steigend. Auch die Sympathie für nostalgische Retro-Games nimmt zu. Zugleich werden die technischen Voraussetzungen immer besser. „Schnelles Internet ist eine Grundvoraussetzung für Online-Games, denn der Spieler ist ein leidenschaftlicher Mensch“, weiß Rupert Ochsner. Das gilt sowohl beim Herunterladen von Spielen wie beim steigenden Anteil an Streaming-Spielen. Für diese wird keine teure Hardware benötigt, doch erfordern Bild, Ton und Kommandos übers Internet eine schnelle Anbindung mit guter Latenzzeit. 

Mit Leidenschaft selbständig

Leidenschaftlich sind auch die Gründer von Bonus Level Entertainment. Gemeinsam mit Holger Kuchling von Independent Arts, einem der profiliertesten deutschen Games-Studios, gründet Rupert Ochsner 2015 das Unternehmen in München. Nach einer Anstellung in der Computerspiel-Branche war die Gründung eines eigenen Unternehmens ein Sprung ins kalte Wasser: "Am härtesten arbeiten, übers Limit gehen, aber alle Möglichkeiten haben.“ Während globale Top-Spiele ähnlich Hollywood-Produktionen über 30 bis 100 Millionen Dollar nur für die Entwicklung verfügen, arbeiten unabhängige Spieleentwickler mit Budgets zwischen 100.000 und zwei Millionen Dollar. „Die Leidenschaft ist wichtig, dann schaffst du das“, betont Rupert Ochsner. „Mit Talent und harter Arbeit kannst du alles erreichen. Auch wenn der Job oft stressig ist, unterbezahlt und mit schlechten Arbeitszeiten.“

Ein Fuchs als Herr der Jahreszeiten

Vorzeigeprojekt des jungen Unternehmens ist das Spiel „Fox n Forests“. Als Hauptdarsteller agiert ein Fuchs namens Rick. Dieser sucht nach magischen Rinden und mystischen Samen eines Zauberbaums mit dem Ziel, eine zerstörerische „fünfte Jahreszeit“ zu verhindern. Die bekannten vier Jahreszeiten und ihre natürlichen Ausprägungen machen die Geschichte einzigartig. Rick kann dank Zauberbaum und Manakraft die Jahreszeit wechseln und sich dadurch Vorteile verschaffen. Selbstverständlich springt die Figur auch auf Plattformen herum, teilt Hiebe aus und schießt mit ihrer Armbrust auf Zombies, Krabbelkäfer, Kröten oder Vögel. Patty das kluge Rebhuhn begleitet Rick in seinem Abenteuer. Nur was es mit der fünften Jahreszeit auf sich hat, soll hier nicht verraten werden.

Humor und Liebe zum Detail

Das Projekt finanziert sich auch dank Crowdfunding mit etwa 107.000 Euro von 1.500 Unterstützern. „Unser Trailer für den Prototyp war ein wichtiges Asset für den Erfolg. Während der Kickstarter-Kampagne bin ich fünf Wochen lang von zehn Uhr früh bis ein Uhr nachts vor den Social Media-Kanälen gesessen“, sagt Rupert Ochsner. Das Echo in der Fachwelt und in den Medien ist enorm. Für Begeisterung sorgen neben der kreativen Geschichte vor allem Retro-Stil und Sorgfalt in Grafik und Sound. Die Rede ist von einer „unglaublich stilechten Liebeserklärung an Nintendos 16-Bit-Maschine“ und „unvergleichlichem und unwiderstehlichem Charme“. „Fox n Forests“ erinnere bewusst an das „goldene 16-Bit-Zeitalter“, wenn auch im modernen Breitbildformat. „Diese Vorgabe haben wir uns selbst auferlegt. Es ist ein Spiel, wie ich es möchte, aber nicht am Markt vorbei“, erklärt Rupert Ochsner. „Liebe zum Detail ist ein Grundprinzip von Bonus Level Entertainment. Auch Humor ist uns ganz wichtig, aber gar nicht so einfach zu verwirklichen. Ein Spiel muss immer unterhaltsam sein und Spaß machen.“

 

Die Spielewelt der Kindheit

Als Kind wuchs Rupert Ochsner in Linz auf. Schon damals liebte er Comicfiguren, zeichnete gerne und entwickelte einen eigenen Charakter: einen Wolf namens „Wolfi“ - eine gewisse Ähnlichkeit zum Protagonisten von "Fox n Forests" ist nicht von der Hand zu weisen! An sein allererstes Computerspiel erinnert Rupert Ochsner sich gut: Jupiter Lander stellt die Aufgabe, ein Raumschiff sicher auf dem Planeten zu landen. Gespielt wurde es auf einem Commodore VC-20, dem meistverkauften Computer des Jahres 1982, mit 40 KB Speicher, 88x184 Pixel bei maximal 16 Farben, Steckmodul und Diskettenlaufwerk. Ein gesondert angeschlossener Kassettenrecorder war nötig, um die Raumschiff-Geräusche abzuspielen. Die Faszination war erwacht! Schon als Teenager wusste Rupert Ochsner, dass er Spiele machen wollte. Gemeinsam mit seinem Bruder importierte er eine Super Nintendo-Spielekonsole aus Japan, verfolgte aktuelle Ankündigungen dazu und recherchierte neue Spiele per 56K-Modem. „Ich war und bin ein Super Nintendo-Fan!“

Erfahrung rund um den Globus

Doch was für den Jugendlichen folgte, war „kein klarer Weg“. Rupert Ochsner ging nach Wien, studierte Marketing und Multimedia. Dann übersiedelte er nach Australien, wo er in zwei Jahren Wellenreiten lernte und 3D-Animation studierte. Es folgte der Erwerb eines Master-Degrees in England. Schließlich landete er beim globalen Computerspiele-Unternehmen Deep Silver mit Sitz in München. Er arbeitete für internationale Marken und lernte Spielebranche und Weltkonzerne kennen. Mit Erfolg: Projekte unter seiner Mitwirkung wurden von globalen Publishern veröffentlicht, einen Preis gab es für das meistverkaufte in Deutschland entwickelte Nintendo-DS-Game, und der Computerfilm zu einem Spiel erreichte einen Bronzenen Löwen beim berühmten Werbefestival in Cannes. 

 

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