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Erstellt am 17.12.2019

Cloud Gaming – Google schickt Stadia ins Rennen

Der Release von Google Stadia ruft zwiespältige Meinungen in der Gamer-Community hervor. Einerseits herrscht Begeisterung über die Technologie, andererseits Enttäuschung über ein unausgegorenes Produkt.

Am 19. November war es soweit: Google präsentierte offiziell seine Cloud-Gaming Lösung. Für viele war der erste Eindruck insgesamt nicht sehr beeindruckend, hat man sich doch von Google eine ausgereifte Plattform mit einer großen Anzahl von AAA Spielen erwartet. Vielmehr kann diese erste Startphase eher als Beta-Test gesehen werden, mit dem die kostenlose Variante Stadia Base vorbereitet wird. Einige Gamer stören sich daran, dass das recht schmale Game-Angebot nur als - eher teure - Kaufvariante offeriert wird. Ein ganzes Bündel an Ankündigungen lassen aber hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.  

Was wurde verwirklicht, was kommt noch?

Eingabeverzögerungen und ähnliche Störungen wie bei den anderen Video-Streaming-Anbietern gehören bei Google Stadia mit einer guten Internetanbindung schon jetzt der Vergangenheit an. Diese Cloud-Lösung ermöglicht 4K Bildqualität und eine Bildfrequenz von 60 fps (frames per second) via Stream ohne hohe Hardware-Anforderungen. Das sind Werte, die bei Nutzung einer Konsole gar nicht und bei Spielen auf einem Gaming PC mit teurer Grafikkarte nur eingeschränkt erreicht werden können. Ungewiss ist, ob die beeindruckende Leistung unter Vollauslastung des Cloud-Gaming-Services aufrechterhalten werden kann. Ein Teil des Erfolges wird auch davon abhängen, wie sich der Gaming-Dienst mit der Internetverbindung in einem Mehrpersonenhaushalt schlägt. Der Wechsel zwischen den Devices während des Spiels ist ohne Verzögerung im Verlauf möglich, derzeit funktioniert die mobile Variante aber nur auf Google Pixel Smartphones.

Das Stadia-Pricing ist aufgeteilt in einen Monatsbeitrag und einen einmaligen Betrag von € 129,- für das Starterpaket. Darin enthalten sind der Chromecast Ultra ‑ die Streaming Box für Inhalte in 4K Qualität ‑ und der Stadia Controller, der per WLAN mit dem Server verbunden ist. Bei der jetzt erhältlichen „Premiere Edition“ wird 3 Monate lang Zugang zur Pro-Version gewährt, die vermutlich ab Mitte 2020 weiterführend in der Premium Variante in 4K um € 9,99,- im Monat angeboten wird. In der Pro-Version sind bereits drei Gametitel kostenlos freigeschalten. Die restlichen Spiele müssen je nach Titel um € 30,- bis € 60,- gekauft werden. Ab Juni 2020 steht zudem die kostenlose Basis-Variante „Base“ in reduzierter Bildqualität als Free-Cloud-Gaming Angebot zur Verfügung.

Perfekte Technik mit Anfangsschwierigkeiten

So sehr die ersten Nutzer von der Technik und von den Möglichkeiten schwärmen, enttäuscht Google Stadia derzeit mit seinem Angebot mit vielen terminoffenen Ankündigungen und unausgereiften Lösungen. So können jenseits des TV-Gerätes die Stadia Controller nur über Kabel benutzt werden. Ein Familienzugang ist derzeit nicht vorgesehen. Der wenige Tage alte Stadia-Buddy-Pass erregt Unmut, da ein eingeladener Freund zwar Stadia eingeschränkt auf ein Spiel – Destiny2 – für 3 Monate gratis nutzen kann, aber gleichzeitig seine Kreditkartendaten eingeben muss. Das Abonnement verlängert sich nämlich ohne Kündigung automatisch nach 3 Monaten. Für das Cloud-Vergnügen ist der Unvorbereitete mangels eines Chromecast zudem auf den PC angewiesen, da ohne diesen keine Verbindung mit Stadia-Servern aufgebaut werden kann. Die Controller von Konsolen lassen sich hingegen problemlos für Stadia verwenden. User berichten auf der Plattform Reddit auch vermehrt von Überhitzungen des Verbindungstools beim Gamen, die dann zu Systemabschaltungen führten. Dazu kam, dass viele Aktionen, wie z.B. die nachträgliche Freischaltung von Spielen in der Pro-Version, zur Verärgerung derjenigen gesorgt hat, die diese vorher schon gekauft hatten.

Verkäufe hinter Erwartungen

Unter den momentan 22 angebotenen Spielen fehlt noch ein richtiges Zugpferd, das Spieler auf die Plattform lockt. Neben dem klassischen Spielkauf soll es durch die Integration des Spiele-Abos "Uplay Plus" einen massiven Boost in diesem Bereich geben. Stadia bietet zwar die Möglichkeit, binnen Sekunden zwischen verschiedenen Devices zu wechseln, aber kein Crossplay mit anderen Plattformen. Momentan ist Stadia als geschlossenes System konzipiert, an der Durchlässigkeit zu anderen Cloud-Gaming-Services wird aber laut der Auskunft der Entwickler gearbeitet. Auch die Anbindung an YouTube lässt noch auf sich warten. Kein Wunder, dass angesichts dieser Kinderkrankheiten die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Frauen als Zielgruppe

Ziel von Stadia ist es, erfolgreicher zu werden als die erfolgreichste Konsole. Laut Google’s Director of Games, Jack Buser, sollen mit Stadia Milliarden von Spielern erreicht werden. Typische PC-Spieler sind nicht die vorrangige Zielgruppe. Eine der Strategien für die Realisierung des ehrgeizigen Plans ist die Attraktivierung der Plattform für Gamerinnen. Wie genau das passieren soll, steht noch in den Sternen. Die Führung sieht es als Vorteil an, keine Spielefirmen im Gepäck zu haben, die sich seit jeher an männlichen Gamern orientieren. Die Zukunft wird zeigen, wie schwer der Vorteil der Cloud-Gaming Struktur wiegt, dass Gamer und Gamerinnen keine kostenintensive Hardware mehr brauchen und nur noch in eine gute Internetverbindung investieren müssen. Spiele-Entwickler sind zudem nicht mehr durch die User-Hardware limitiert und können ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Es ist zwar schade, dass Stadia so unausgereift präsentiert wurde, werden aber alle bestehenden Pläne verwirklicht und die Kinderkrankheiten ausgemerzt, ist eine neue Dimension des Gaming-Vergnügens erreicht.

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