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Erstellt am 26.11.2019

Bedeutet Cloud Gaming das Ende der Konsole?

Spielkonsolen drohen durch den neuen Cloud-Gaming-Dienst Stadia von Google, Auslaufmodelle zu werden. Die Hersteller wehren sich mit eindrucksvollen neuen Modellen, Kooperationen und eigenen Cloud-Lösungen.

Das Ende der klassischen Konsolen wurde das erste Mal 2009 vom DirektX Erfinder Alex St. John prophezeit. Die Vorahnungen werden seitdem regelmäßig von verschiedenen Personen wiederholt. Das Sprichwort, dass Totgesagte am längsten leben, scheint auch für Konsolen zu gelten: Immerhin ist die 5. Generation der Sony PlayStation für die Vorweihnachtszeit 2020 angekündigt. Mit 4K-Auflösung, mit 120fps (frames per second) und einem AMD Chip scheint es gewiss, dass die Neuheit einschlagen wird. Doch deutet Sony Chef Jim Ryan angesichts des boomenden Cloud-Gaming-Sektors an, dass dies auch die letzte Konsole aus dem Hause Sony sein könnte. Zeitgleich wird auch die Xbox-Konsole der nächsten Generation, „Xbox Two“ oder derzeit noch „Project Scarlett“, auf den Markt kommen.

Aufgescheucht werden die Spielekonsolenanbieter aktuell vom Technologiekonzern Google mit seinem Cloud-Gaming-Dienst Stadia, der am 19. November vorerst mit 22 Games startete. Eine gewisse Nervosität ist durchaus berechtigt, zumal der Konsolen- und Spielemarkt ein Volumen von 130 Milliarden Dollar hat. Sony ist mit der Playstation PS4, mit einem Marktanteil von 55%, am größten, gefolgt von Xbox-One-Systemen von Microsoft mit 23,8%. Der Dritte am Konsolenmarkt ist Nintendo mit der Konsole Switch, die das Weihnachtsgeschäft 2019 als aktuellstes und innovativstes Produkt dominieren wird. Mit Switch gelang 2017 Nintendo eindrucksvoll das Hybridkonzept, sowohl eine Konsole als auch ein Handheld in einem Gerät, zu verwirklichen.

Wie reagieren die Konsolenhersteller auf den Cloud-Gaming-Hype?

Tester sind vom neuen Dienst des Technologie-Riesen Google beeindruckt, wenn auch nicht restlos überzeugt. Als noch nicht ausgereift und hinter den Ankündigungen zurück, wird Stadia beschrieben. Sony und Microsoft haben schon früh die Zeichen der Zeit erkannt und ihr Portfolio erweitert. Microsoft tritt als direkter Konkurrent von Google 2020 mit seinem Project xCloud an. Das wird besonders spannend. Microsoft wird dann den Xbox-Pass zur Flatrate mit dem Streamingdienst xCloud anbieten und damit ein richtiges „Netflix für Spiele“ erschaffen. Schon in der Preview-Version stehen 50 Titel zur Verfügung. Die Controller der anderen Anbieter und PCs mit Windows 10 werden unterstützt. Über ein Abo kommen PC-Spieler in den Genuss von vielen neuen Spielen und weitere Games werden folgen. Kein schlechter Schachzug, um sich für die kommenden Scharmützel mit dem Branchenriesen Google gut aufzustellen. Sony reagiert auf die wachsende Konkurrenz am Cloud-Gaming-Sektor mit Preisreduktionen beim eigenen Streaming-Dienst Playstation Now, der mit einem Marktanteil von 36% der größte ist.

Was spricht gegen eine Ablösung der Konsole durch Cloud Gaming?

Gamer und Gamerinnen in Europa setzen zu 75% auf den physischen Kauf von Computerspielen, aber nur 6% geben als Beweggrund eine schlechte Internetverbindung an. Nur 23% aller Befragten einer Umfrage von der Plattform gamingindustry.biz würden Spiele digital ohne Bonusmaterial und Disc kaufen.

Die angekündigten Vorzüge der PS5 sind in hohem Maße überzeugend. Sony wird diesmal auch nicht den Fehler machen, die Abwärtskompatibilität wie beim Umstieg von PS3 auf PS4 außer Acht zu lassen. Im Gegenteil geht die Entwicklung dahin, dass die „alten“ Spiele dank des verbesserten Raytracing, also der realistischeren Wiedergabe der Beleuchtungssituation, optisch aufgewertet werden. Die neue PS5 ist von der technischen Ausstattung her im High-End-Bereich und mit einer SSD-Festplatte ausgestattet, wodurch die Ladezeiten drastisch sinken werden. Die neue Generation der Controller wird zudem „adaptive Auslöser“ haben, die den natürlichen Widerstand und die haptischen Rückmeldungen der Aktionen vermitteln.

Auch das Project Scarlett von Microsoft verspricht viele technische Neuerungen. Während bei Sony die PSVR zukünftig auch auf der PS5 funktioniert, ist über die Abdeckung des VR-Bereiches durch die neue Xbox derzeit noch nichts verlautet. Der Schwerpunkt bei der Entwicklung liegt in jedem Fall auch hier auf Crossplay mit Spielern der Xbox One, PCs und dem eigenen Streaming-Dienst. Nur am Rande sei erwähnt, dass Crossplay etwas ist, das bei Stadia sträflich vernachlässigt worden ist.

Dem Vorbild von Sony folgend, hat auch Microsoft mit der Sowohl-als-auch Variante eine vorerst zukunftsweisende Lösung gefunden: das Project xCloud für On-the-go-Gaming und das Project Scarlett mit Power fürs Wohnzimmer.

Die Zukunft: Konsolenfans können aufatmen

Hoffnung für Konsolenfans auf Fortsetzung der Playstation-Reihe besteht, da sich das Team von Sony Japan die Markenrechte für PS6 bis PS10 gesichert hat. Zum aktuellen Zeitpunkt ist das noch eine Sicherheitsmaßnahme und es ist ungewiss, ob diese Trademarks jemals Verwendung finden. Mit den neuen Modellen ist die Existenz der Konsole jedoch schon jetzt über Jahre hinaus gesichert.

Die "Bedrohung" durch die Cloud lässt die Konsolenhersteller näher zusammenrücken. So ist Microsoft mit dem viel kleineren Mitbewerber Nintendo eine Partnerschaft eingegangen, um gemeinsames Zocken von Xbox und Switch-Nutzern zu ermöglichen.

Erst im Mai haben Sony und Microsoft für das Gebiet des Cloud-Gamings eine Kooperation geschlossen. Gelingt eine Zusammenarbeit auch hinsichtlich des Crossplays – wie mit der PS5 angekündigt – wird man sich über die Zukunft der Konsolen weiterhin keine Sorgen machen müssen.

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